Entwicklung

 

Die Geschichte des Motorradclub Carpe Diem

 

Es war im Winter 1993/94 (einer besonders unter Motorradfahrern ziemlich unbeliebten, weil kalten und feuchten Jahreszeit) als mir mein Freund Gerold "Jerry" U., damals Neo-Biker von seinem Freund und ehemaligen Musikerkollegen Peter B. erzählte.

 

Der hatte sich, infiziert vom Motorradvirus, und zu dieser Zeit bei Zweirad Faber beschäftigt, in den Kopf gesetzt, einen Motorradclub zu gründen. Dass diese Idee bei mir auf fruchtbaren Boden fiel, versteht sich ja von selbst.

 

Auf meine drängenden Nachfragen, was denn nun mit dieser Sache weiter sei, bekam ich in der Folge nur zur Antwort: "ist ja noch Winter", "das hat noch Zeit" oder "ja, wir werden uns schon irgendwann treffen".

 

Also schrieb ich diese Idee insgeheim schon wieder ab. Aber - siehe da, es kam an einem denkwürdigen Montag, dem 25. April 1994, tatsächlich zu einer Zusammenkunft der potentiellen Clubgründer.

 

Diese waren:

 

Peter B., seit drei Jahren Besitzer einer Honda Dominator, davor motorradunbelastet, Freund von Gerold "Jerry" U., ein Jahr zuvor plötzlich, und für mich völlig unerwartet zum Eigner einer Suzuki VX 800 avanciert. Davor machte er die Gegend lediglich mit Autos (oder was er dafür hielt) unsicher. Ach ja - ein Moped (oder was er dafür hielt) bewegte er auch einmal. Seine "Daisy" begleitete ihn sogar bis nach Güssing ins südliche Burgenland und schaffte da die für ihr Alter und Jerrys Gewicht sagenhafte Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h. Allerdings nur einmal. Wer nie ein Moped besaß, der waaß an Schas!

 

Jerry kenne ich seit 1973 durch unsere gemeinsame Volksschulzeit, wo wir auch einen gewissen Paul "Pauli" M. kennenlernten. Er besaß (etwas später) u.a. einen roten Escort und einen Kadett GSI (den Aufkleber "lieber Golf spielen als Golf fahren" am Heck), um danach mit einem - na? richtig! - Golf unterwegs zu sein. Zweiradmäßig völlig unbelastet, begann er seine Motorradkarriere 1993 mit einer gebrauchten Honda Dominator 650 mit thermischen Problemen (speziell im Windschatten von Autobussen). Pauli verlor ich nach der Volksschule mehr oder weniger aus den Augen, aber er hatte ja den Jerry, der auf ihn acht gab. Ihm war offenbar damals schon klar, was er beruflich erreichen wollte, während Jerry und ich uns noch ein paar Jahre Bedenkzeit herausschunden und eine AHS besuchten, wo wir auf Günter F. stießen.

 

Auch er hatte an unserer gemeinsamen Mopedzeit teil, war Besitzer einer Sachs Optima 2DK. Nach deren Verkauf, ebenso wie Jerry, vierrädrig unterwegs. Bis auch er im Sommer 1993 zuschlug und eine rote (die bevorzugten schwarzen waren gerade nicht lieferbar) Honda CB Sevenfifty erwarb. Einige Tage später standen die schwarzen wieder bei den Händlern. Die CB favorisierte er wegen des guten Preis/Leistungsverhältnisses ebenso wie ich, Andreas "Andy" B. Mein zweirädriger Werdegang sah bis dahin folgendermaßen aus: AJ-Führerschein mit 16, danach Besitzer einer KTM Comet 50 PL, welche ihre Kolben öfter wechselte, als ich meine Unterwäsche. Mit ihr baute ich, was Stürze betrifft soweit vor, dass ich, statistisch gesehen, die nächsten hundertachtunddreißigeinhalb Jahre unfallfrei unterwegs sein müsste. Im Februar 85 tauschte ich sie gegen eine Kawasaki Z 500 F ein, auf welche in Sommer 86 eine Yamaha XJ 900 folgte. Die Statistik stimmte nicht. Im Sommer 1987 machte ich einen Abflug über die Motorhaube eines altersschwachen Renault und somit meiner Motorradlaufbahn ein plötzliches, wenn auch (wie sich Jahre später herausstellen sollte) nur vorläufiges Ende. Zwar zahlte die Kaskoversicherung, ich entschloss mich aber (zur Freude meiner Eltern) fürderhin unfallfrei und ausschließlich zweispurig unterwegs zu sein. (Die Unfallfreiheit dauerte ein halbes Jahr, dann endete mein Sierra an einem Begrenzungsstein am Kahlenberg). Anfang 1993 beschloss ich, mir für den Stadtverkehr einen 125er-Roller zuzulegen. Lieferschwierigkeiten und eine Probefahrt auf Jerrys VX machten dieses Vorhaben zunichte. Ich stornierte die Kaufvereinbarung und erstand (zum Schrecken meiner Eltern) eine Honda CB Sevenfifty. Und hoffte auf die Statistik.

 

An diesem denkwürdigen Tag also beschlossen wir fünf, .... Ja, was eigentlich?

 

Wir überlegten ob, warum, wie, wann, wo, mit wem wir einen Club gründen sollten. Und einigten uns darauf - abzuwarten.

 

Wir wollten uns informieren, was denn zu unternehmen sei, wollten wir unseren Club behördlich eintragen lassen, wir wollten sehen, ob wir noch andere Motorradfans für unser Hirngespinst gewinnen könnten und wir wollten ausprobieren, ob wir selbst im Laufe einer Motorradsaison nicht das Interesse an der gemeinsamen Sache verlieren würden.

Wir verloren es nicht. Es wurde größer.

 

Wir trafen uns jeden ersten und dritten Dienstag eines jeden Monats im Waidhausenstüberl, das wir zu unserem "Clublokal" auserkoren hatten, und fanden - das heißt Peter fand - tatsächlich noch zwei Leute die Interesse an unserem Vorhaben zeigten: Brigitte K., Fahrerin einer Yamaha RD 350 und unseren Jüngsten, Matthias "Turtle" L., Eigner einer Yamaha XV 500.

 

Somit waren wir schon sieben. Wir organisierten einige Ausfahrten, natürlich auch mit dem Hintergedanken noch einige Mitstreiter zu finden, trafen uns regelmäßig, arbeiteten an unseren Vereinsstatuten und an einem Vereinsabzeichen und beschlossen, uns Motorradclub Carpe Diem zu nennen. Und wir setzten uns selbst ein Limit. Wir wollten bis Anfang September soweit sein, dass wir unseren Club offiziell eintragen lassen konnten. Dazu brauchten wir fertig ausgearbeitete Statuten und die darin vorgesehene Mindestanzahl von neun Mitgliedern. Würden wir das schaffen, so sollte unser Verein das Licht der Welt erblicken.

 

Sylvia M., die Freundin Jerrys, damals auf einer Yamaha XT 350 unterwegs, schloss sich uns nach längerer Bedenkzeit an und erhöhte unsere "Mitgliederzahl" auf acht.

 

Am 6. September 1994 wars dann soweit. Ich reichte bei der Vereinsbehörde als Proponent des Motorradclub Carpe Diem die Bildungsanzeige ein.

 

Anfang Oktober erhielt ich den Bescheid der Sicherheitsdirektion: die Bildung unseres Vereins wurde nicht untersagt. Zur formellen Gründung unseres Clubs wurde am 29. November 1994 die konstituierende Generalversammlung einberufen, zu der, neben den bisher genannten acht Personen auch unser neunter, Wolfgang H. (Eigentümer einer Kawasaki ZZR 500) eingeladen war. Wir wählten den Vorstand sowie die beiden Rechnungsprüfer und meldeten diese an die Vereinsbehörde. Somit war der Bestand des Motorradclub Carpe Diem mit 29.11.1994 offiziell.

 

Mittlerweile hat sich natürlich einiges geändert. Neue Mitglieder sind gekommen, einige auch gegangen und mit den Motorrädern verhielt es sich ähnlich. Aus neun Mitgliedern sind inzwischen 26 geworden. Genaueres darüber erfährst du unter Mitglieder und über uns. Was geblieben ist, ist die Begeisterung fürs Motorrad fahren, die Freude am gemeinsamen Erleben, an Ausfahrten, Festln und Urlauben. Und das Gefühl zu einer Gruppe zu gehören, in der man sich wohl fühlt und mit der man (nicht zu knapp) einen Heidenspaß haben kann.

 

Und dass das nicht gelogen ist, kannst du ganz einfach überprüfen. Komm einfach zu einer unserer nächsten Veranstaltungen (Clubtreffen, Ausfahrten,...)! Die Termine findest du unter Clubleben.

 

Bis dann...

CARPE DIEM